Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am: 17.04.2018
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Wissensstoff

Informationen zu Mode, Moden und Modemachern

 

Als Salzburg noch bei Bayern war
Kleider[F]formen einst und heute
Sonderausstellung zum Jubiläumsjahr 2016

Seit dem frühen 14. Jahrhundert regierten kluge und innovative Fürsterzbischöfe das Land Salzburg. Die Einnahmen durch den Gold-und Salzabbau machten Salzburg zu einem der reichsten Fürstentümer im römisch-deutschen Reich und die kunstsinnigen Regenten ließen prachtvolle Kirchen und Schlösser errichten, wertvolle Sammlungen wurden angelegt, 1622 die Universität gegründet Am 15. Dezember 1800 endet diese Blütezeit mit dem Sieg der napoleonischen Armee bei der „Schlacht am Walserfeld“ vor den Toren der Stadt. Der regierende Erzbischof, Hieronymus Graf von Colloredo, war bereits vor dem Einmarsch der Truppen nach Wien geflüchtet, 1803 tritt er als Fürstregent ab. Auf der letzten Sitzung des „Immerwährenden Reichstages“ 1803 in Regensburg wird beschlossen alle geistlichen Fürstentümer aufzulösen, um jene weltlichen Fürsten abzufinden, deren Besitz während der Revolutionskriege verloren gegangen war.

Ferdinand III. von Habsburg-Toskana, zweiter Sohn von Kaiser Leopold II von Österreich, erhält das Kurfürstentum Salzburg als Entschädigung für das Großherzogtum Toskana, doch bereits 1806 muss er diese Regentschaft abgeben. Die Franzosen entsenden mehr als 60.000 Besatzer, das Kurfürstentum Salzburg wird aufgelöst und im „Frieden zu Preßburg“ 1805 Österreich zugesprochen. Nach Napoleons Sieg über Österreich in der „Schlacht bei Wagram“ 1809, zieht eine französische Verwaltung in Salzburg ein. Bayerisch wird Salzburg am 12. September 1810, der bayerische Kronprinz Ludwig residiert nun ständig in dem Salzburger Schloss Mirabell. Der Wiener Kongress (1814-1815) regelt die Grenzen in Europa neu und mit 1. Mai 1816 ist Salzburg Teil der Habsburgermonarchie.

Das Jubiläumsjahr 2016 haben die Schülerinnen und Schüler der Modeschule Hallein zum Anlass genommen, sich mit der Mode um 1816 auseinander zu setzen und sie zeitgemäß zu interpretieren. „Was passierte in dieser Zeit und warum sah die Mode genauso aus?“ „Welche Parallelen und Anknüpfungspunkte sind für uns heute interessant?“ und „Wie kann eine Ausstellung auf der Burg Hohenwerfen gestaltet werden?“ so lauteten die Fragen an die Schülerinnen, die am Anfang umfangreiche Recherchen über die Politik, Kunst und Literatur dieser Zeit nach sich zogen.

Anfang des 19. Jahrhunderts ist die Gesellschaft im Umbruch. Die Französische Revolution hatte das Ende der Herrschaft des Adels eingeleitet und das Bürgertum gestärkt. Die Parole „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit (Liberté, Égalité, Fraternité) gilt nun für alle Bereiche des Lebens, daher sollen Rang und Stand einer Person auch in der Kleidung nicht mehr sichtbar werden. In der Frauenmode verschwinden Samt und Seide, Korsett und Reifrock, sie orientiert sich weitgehend an der Männermode, ein kurzes Jäckchen wird zu langen Röcken getragen. Die Ausgrabungen antiker Stätten und die Idealisierung der antiken Demokratien inspirieren zu Gewändern aus fließenden Stoffen. So gilt der wichtigste französische Maler des Klassizismus Jacques Louis David als Erfinder der Mode „à la greque“ , bei welcher ärmellose bodenlange Hemden aus weißen, fast durchsichtigen Stoffen nur unter der Brust und an den Schultern zusammen gerafft wurden.

Modell „Vrîheit-Vancnisse“, designt von Sarah Gollackner
Modell „Taitaa“, designt von
Verena Mühlberger
Modell „Edges“, designt von
Sofia Mayr-Melnhof

Ab 1805 bestehen die Kleider wieder aus einem viereckig ausgeschnittenen Leibchen mit angesetzten Ärmeln, der Rock wird unter der Brust angesetzt. Darüber, die Stoffe sind aus dünner Baumwolle und Musselin und bieten weder vor Kälte als auch vor Witterungseinflüssen Schutz, wird eine Art Oberkleid oder Tunika getragen. Es herrschen nun helle Pastelltöne vor.

Die von den Schülerinnen bei diesen Recherchen gefundenen originalen Modeskizzen wurden nachgezeichnet und es entstand das Gefühl für die Schnittführung. Das „Feeling“ für die Stofflichkeit vermittelte ein Besuch im Museum Salzburg, bei welchem die Schülerinnen Gelegenheit hatten originale historische Kleidungsstücke nicht nur zu besichtigen, sondern tatsächlich auch zu „erfühlen“. Solcherart erhielten sie den Eindruck der Leichtigkeit und Luftigkeit von den damals verwendeten Materialen. Als Nächstes wurde gemeinsam aus den zusammengetragenen Informationen ein Mood-Board in Form einer Collage aus Materialien, Farben, Formen, Ideen und Stimmungen erstellt. Dieses diente als Intuition für die Entwürfe der zeitgemäßen Interpretation der historischen Kleidung. Nachdem jedes Projekt auf die Machbarkeit überprüft wurde und der Fertigungsplan erstellt war, nähten die Schülerinnen zusammen mit den Pädagoginnen Maria Jungwirth und Veronika Lang die Modelle.

Die Exponate sind ab Ende Oktober bis Ende des Jahres im McArthurGlen Designer Outlet Salzburg zu sehen.

Mag. Art. Eva von Schilgen

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Dirndln - von Mädchen und Moden
Eva von Schilgen zur Modegeschichte des Dirndls

Süß und verführerisch sind die „Dirndln " allemal, ob es sich nun um die Früchte der Kornelkirsche (lat.Cornus mas) handelt oder um die „Dindln“, wie junge Mädchen in Österreich und Bayern genannt werden. Der Ausruf: „Das ist aber ein fesches Dirndl“, der sich sowohl auf die Trägerin, als auch auf deren Kleid beziehen kann, verwirrt manchen, auch, dass sich das Kleidungsstück zum „Anbandeln“ (Flirten) eignet. Doch wenn man(n) sich eine „Abfuhr“ oder gar eine „Watschn“ ersparen will, sollte man(n) die Symbolik des Schleifenbindens kennen. Diese zeigt an, ob man vor sich eine Witwe, Masche hinten gebunden, eine schon Vergebene, Masche rechts, oder eine noch zu Habende, Masche links, hat. Eine Masche vorne in der Mitte gebunden, signalisiert „Jungfrau“.

Dieser Brauch ist jedoch erst in den letzten Jahren entstanden. Der Dirndl-Hype begann in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit der sogenannten „Sommerfrische“. Die von der Hitze geplagten Stadtaristokraten und das wohlhabende Großbürgertum fuhren mit der neuen Eisenbahn bequem auf das Land und quartierten sich in Gasthäusern und Privatquartieren ein. Anfangs trugen in der Stadt nur die vom Land kommenden Dienstboten das traditionelle Gewand der dörflichen Frauen, bestehend aus Hemd, „Leiblgwand“ und einer Schürze. Daher leitet sich auch der Name „Dirndl“ ab, denn „Dirn/Dierne/Deern/Dirne“ wurden Mägde, Sennerinnen und Dienstboten genannt. Verwendet wurden für diese Kleidungsstücke meist einfarbige Stoffe aus Baumwolle oder Leinen, selten waren sie mit Blumen-oder Rankenmuster verziert, die Schürze wurde oft aus alter Bettwäsche genäht.

Bald schon entdeckten auch die Damen der Gesellschaft die Vorzüge dieser Bekleidung, welche ihnen genug Bewegung für das Wandern oder Bergsteigen verschaffte. Zur Popularität trug die weltweit erfolgreiche Operette „Im weißem Rössl“ bei, welche im Salzkammergut spielt. Sie gilt heute als berühmteste Vertreterin der Berliner Operette. In den USA wurde „The White Horse“ am New Yorker Broadway 223 Mal aufgeführt und trug zum Dirndl-Hype bei. Eine Ironie des Schicksals, Texte und Musik stammen von vorwiegend jüdischen Künstlern wie Ralph Benatzky, Robert Stolz, Bruno Granichstaedten, Robert Gilbert oder Oskar Blumenthal, doch später wurde unter dem Naziregime Juden das Tragen von Tracht untersagt.

Während man bei den regionalen Volkstrachten an Schnitt und Farben erkennt woher die Trägerin kommt und welchen sozialen Status sie einnimmt, ist der Phantasie beim modernen Dirndl kaum Grenzen gesetzt und mancher Modeschöpfer lässt sich zu den abenteuerlichsten Kreationen verführen. In Österreich ist man (fast) immer bodenständig echt geblieben. An keinem anderen Ort ist dieses Kleidungsstück so beliebt wie in der Mozartstadt Salzburg, ob bei den Festspielen, bei Empfängen, Gesellschaften, Landpartien oder einfach nur im Alltag. Zu manchen Events ist Tracht dezidiert als Dresscode angegeben. Leicht erkennbar sind die „Zuagroasten“, denn sie tragen meist die schönste Trachtenmode. Und beim Münchener Oktoberfest ist das Dirndl sowieso ein „must have“. Ob Marlene Dietrich, Caroline von Monaco, Elisabeth Taylor, Dita von Teese, ob Star oder Sternchen, die Liste der prominenten Trägerinnen ist lang, denn ein Dirndl verleiht jeder Frau Sex-Appeal, ob zaundürrer Bohnenstange oder mit viel „Holz vor der Hütte“, ob jung oder alt. Und „last but not least“ ist der Kauf eine zeitlose Investition für viele Jahre.